Wenn am zum Beispiel einen Amerikaner fragt welches Bauwerk er in Deutschland kennt, dann wird er mit Sicherheit antworten: Schloss Neuschwanstein, das Märchenschloss des unglücklichen bayrischen Königs Ludwig II. Der König wollte sich mit dem Bau von Neuschwanstein einen Traum erfüllen und von der Welt abgeschieden in den Bergen leben. Der kranke König kam nicht mehr dazu auf seinem Märchenschloss zu leben. Der Bau aber trieb den bayrischen Staat fast in den Ruin, heute allerdings gehört Schloss Neuschwanstein zu den Bauwerken das die meisten ausländischen Besucher sehen wollen.

Bereits sieben Wochen nach dem Tod König Ludwigs II. im Starnberger See wurde Schloss Neuschwanstein im Jahr 1886 für das zahlende Publikum zugänglich gemacht. Der menschenscheue König hatte eigentlich die Burg erbaut um sich vollkommen aus der Öffentlichkeit und den Regierungspflichten zurückziehen zu können – jetzt wurde sein Lieblingsschloss zum Publikumsmagneten.
Schloss Neuschwanstein gehört heute zu den meistbesuchten Schlössern und Burgen in ganz Europa. Jedes Jahr besichtigen rund 1,3 Millionen Menschen “die Burg des Märchenkönigs”. Allein in den Sommermonaten drängen sich im Durchschnitt jeden Tag mehr als 6.000 Besucher durch Räume die einst nur für einen einzigen Bewohner bestimmt waren.


Zur Attraktivität von Neuschwanstein kommt auch noch die wunderschöne idyllische Lage hinzu. Aber das Schloss muss auch ständig überwacht werden, da es immer wieder zu Bewegungen im Bereich des Fundamentes kommt und deshalb die steilen Felswände zusätzlich immer wieder gesichert werden müssen. Auch das raue Klima setzt den Kalkstein-Fassaden stark zu, was immer wieder neue Sanierungsmaßnahmen erforderlich macht.

Grundsteinlegung zur “Neuen Burg” (den Namen Neuschwanstein bekam das Schloss erst nach dem Tod des Königs) war am 5. September 1869. Als erstes Gebäude wurde 1873 der Torbau fertiggestellt, in dem Ludwig II. übergangsweise wohnte. Erst sieben Jahre später war Richtfest für den Palast den der König 1884 bezog.
Mit fortschreitender Krankheit und auch der immer schlimmer werdenden Angst vor Menschen änderte Ludwig II. ständig das Bauprogramm. Statt der ursprünglich vorgesehenen Gästezimmer wurde ein so genannter “Maurischer Saal” mit einem prächtigen Springbrunnen geplant, aber nicht mehr gebaut. Aus dem Schreibzimmer wurde eine kleine Grotte, in der der König zur Musik von Richard Wagner als Lohengrin auftrat. Das einst bescheiden geplante Audienzzimmer verwandelte sich nach den Wünschen des Königs in einen riesigen Thronsaal. Dieser war aber nicht mehr für Audienzen bestimmt, sondern war für Ludwig II. eine Kopie der sagenhaften Gralshalle. Um diesen Saal in den schon errichteten Palast noch nachträglich einfügen zu können, mussten die Architekten für die damalige Zeit hochmoderne Stahlkonstruktionen einbauen. Im Westteil des Palastes sollte nach dem Willen des Königs ein “Ritterbad” eingebaut werden, was Ludwig an das rituelle Bad der Gralsritter erinnerte. Dazu kam es allerdings nicht mehr und an dieser Stelle führt heute eine Besuchertreppe zum Ausgang.